Sonntag, 3. November 2013

RLF - Das richtige Leben im falschen (Buch)

Sehr gutes und empfehlenswertes Buch aus meiner Sicht. Der nach meiner Zählweise zweit Mikael Mikael Roman von Friedrich von Borries, einem Architekten und Professor für Designtheorie und kuratorische Praxis an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.

Der Aufbau ist ähnlich wie 1WTC, das ebenfalls auf den "Erlebnissen" von Mikael Mikael basiert. Aufbau heißt in dem Fall, dass es einen Handlungsstrang gibt, der immer wieder durch kurze Filmsequenzen und lexikonartige Erklärungseinschübe unterbrochen wird. Das soll der Geschichte vermutlich einen stärkeren dokumentarischen Charakter geben, was m.E. auch gelingt.

Um was geht es? Um RLF - das richtige Leben im falschen. Ja, klar, das alte Adorno-Zitat. Hier aber als Geschichte verpackt, die wahrscheinlich so ziemlich alles kritisiert. Sowohl Kapitalismus als auch Antikapitalismus. Ganz sicher bin ich mir aber nicht, weil das Buch zum Schluss nochmal eine gute und für mich überraschende Wende nimmt. Aufmerksamere Leser erkennen es vielleicht schon früher, aber ich war überrascht und wurde dann ein wenig ratlos.

Protagonist ist ein Werbemensch, der versucht, seinem Leben einen neuen Sinn zu geben und da er sich stark über seine Arbeit definiert, auch seiner Arbeit. Über die Erkenntnis, dass Revolution gegen den Kapitalismus heute nicht mehr möglich ist, da der Kapitalismus alles - also auch seine Feinde - integriert und zu Produkten verarbeitet und so kommerzialisiert. Also sieht der Protagonist die Lösung darin, den Kapitalismus mit seinen eigenen Methoden zu schlagen. Ihn also so weit zu überdehnen, bis er ex- oder implodiert. Als Mittel dient ihm dabei die Kreuzung aus Markt und Kunst.

Der Weg ist sehr interessant und öffnet einem die Augen dafür, was in der heutigen (Wirtschafts-)Welt so vor sicht geht und bietet ein paar neue Interpretationsmöglichkeiten an.

In den Filmsequenzen werden jeweils bekannte Persönlichkeiten von einer nicht bekannten Person zum Thema richtigem Leben im falschen interviewt. Da jede Person hier mit ihrer eigenen Stimme spricht, kommen die Interviews für mich wie real daher. Sind also gut gemacht.

Wer sich also mit der Frage beschäftigen möchte, ob es ein richtiges Leben gibt und wie es definiert wird, nebenbei einen guten und rasanten Plot schätzt und sich intensiver mit Werbung und Kunst auseinander setzen möchte, der hat hier genau das richtige Werk an der Hand.