Montag, 28. Januar 2013

Hannah Arendt (Film)

Am bekanntesten dürfte Hannah Arendt vermutlich wegen ihrer Berichterstattung zum Eichmann-Prozess sein. Insofern ist es nachvollziehbar, dass dieser Prozess bzw. ihre Berichterstattung desselben und die sich anschließende Diskussion ihres Berichts als Zentrum dieses Porträts zu wählen. Ich habe keine Arendt-Biographie gelesen und kann daher nicht beurteilen, wie zutreffen das in dem Film gezeigte Porträt ist. Was ich jedoch sagen kann ist, dass ich den Eindruck hatte, sie kennen zu lernen. Und auch die Art, wie sie mit dem Eichmann-Prozess umgegangen ist, wirkte aus dieser Charakterisierung heraus plausibel. Wenngleich man sicher auch anders hätte handeln können. Nur sie eben nicht.

Arendt wird als eine Person dargestellt, die verstehen möchte. Frei von Gefühlen, nur von ihrem Verstand geleitet, möchte sie verstehen, was andere Leute antreibt, was sich zugetragen hat. Nicht, dass sie dabei gefühllos wäre. Nein, sie entwickelt eine Leidenschaft für das Denken (in einer Rückblende wird auf eine diesbezügliche Aussage von ihr in einer privaten Diskussion mit Heidegger verwiesen). Und sie ist auch durchaus von positiven Gefühlen, bis hin zu Liebe zu ihren Freunden durchdrungen. Aber auch das hindert sie nicht daran, gnadenlos nach der Wahrheit zu streben.

Gnadenlos ist sie dabei sich selbst gegenüber. So bereitet ihr das Leiden ihres Lebensgefährten mehr Kummer und Sorge als die an sie verschickten Briefe von Leuten, die ihren Eichmann-Artikel nicht ganz so wohl wollend aufgenommen haben.

Die Charaktere sind m.E. gut verkörpert. Teilweise vielleicht ein wenig schablonenhaft in den Nebenfiguren (ich denke da insbesondere an die Dame der New Yorker-Redaktion), was mich aber nicht weiter gestört hat. Das Entscheidende ist ihr direktes Umfeld. Und hier wird sehr schön unterschieden zwischen denen, die auch in schlechten Zeiten zu ihr halten und denen, die sich im wahrsten Sinne des Wortes von ihr abdrehen.

Und ihre Verteidigungsrede in der Uni ist allein schon sehenswert. Ich glaube nicht, dass ich schon einmal eine Rede in derart schlechtem englisch gehört habe, die mich auch nur annähernd so sehr beeindruckt hat.

Apropos englisch. Das ist aus meiner Sicht der einzige Nachteil an dem Film. Er ist 4-sprachig. Überwiegend deutsch. Etwas weniger englisch und noch ein wenig französisch und (ich vermute) hebräisch. Die drei letzt genannten jeweils mit Untertiteln (, die ich auf Grund vor mir sitzenden Kopfes nur durch Verrenkungen sehen konnte). Da mein französisch und hebräisch nicht so gut sind, war ich dabei auf die Untertitel angewiesen, was mir persönlich nicht wirklich gefällt.

Positiv hingegen wieder, dass Ausschnitte aus dem Eichmann-Prozess aus Original-Aufnahmen übernommen wurden. Auch wenn das die optische Kontinuität des Films natürlich ein wenig durchbrochen hat. Immerhin bekommt man so die Gelegenheit, den Mensch Eichmann direkt zu hören.

Insgesamt aus meiner Sicht ein sehr lohnenswerter, nachdenklich stimmender Film. Ein gutes Kontrastprogramm zu dem ebenfalls sehr empfehlenswerten, wenn auch völlig davon verschiedenen, Django!

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