Freitag, 14. Dezember 2012

Wie ich den roten Knopf der Fernbedienung lieb gewann

Zunächst ein persönliches Bekenntnis. Ich habe Urlaub. Das ist heute mein vorletzter, und wenn ich diesen Blog-Eintrag beendet habe, vermutlich mein letzter Urlaubstag. Das Ende von zwei entspannten, ereignisarmen Wochen. Urlaub, eben.

Urlaub bringt es mit sich, dass man tagsüber nicht arbeiten muss. Statt dessen habe ich mich etwas ausführlicherer Spaziergänge, um den Begriff des Wanderns nicht zu missbrauchen, und sogar einem recht langen Schwimmbadbesuch gewidmet (glücklicherweise nicht gewitwert (haha, tolles Wortspiel! Yippieh)). Daneben blieb viel Zeit zum Lesen. Teils habe ich meine Fortschritte auf goodreads nieder gelegt, teils handelte es sich um täglich/wöchentlich/monatlich/quartalsweise erscheinende "Print"erzeugnisse, deren Fortschrittsangabe auf GR m.E. nun wirklich keinen Sinn macht.

Fazit: ich habe tagsüber weit mehr gelesen, als ich dies während meiner Arbeitszeit tue. Zumindest lesen im Sinne von freiwilliger Lektüre. Auch die Arbeit bringt Lesestoff mit sich. Aber um die geht es mir nicht, weil ich da mental anscheinend recht stark unterscheide.

Ich las also tagsüber viel und war des Abends mitunter des Lesens müde. Was tun? Gibt es da doch noch ein Fernsehgerät (bei mir zu Hause habe ich unlängst wieder ein solches Gerät installiert; noch viel mehr war es Bestandteil des Hotelzimmers, in dem ich mich zwischenzeitlich für ein paar Tage aufhielt), das dem vom tagsüber lesenden Menschen abends ein wenig Zerstreuung verspricht.

Doch, oh!, was musste ich feststellen? Das Programm ist mindestens so schlecht, wie ich immer befürchtet hatte. Wovor man sich zur Zeit kaum retten kann, sind Krimis. In der Regel nicht besonders lang und daher mit eher absurden Kurzermittlungen versehen, rieseln sie aus dem Gerät als gäbe es kein Morgen. Ja, es gibt Lichtblicke. Vorneweg natürlich "Hauptstadtrevier", wobei ich hier u.U. ein wenig von der überaus reizenden Friederike Kempter in meiner Beurteilung beeinträchtigt sein mag. Ein Lichtblick, sicher! Auch die Serie. Warum? Ich habe nicht den Eindruck, dass sie sich und das Genre sonderlich ernst nimmt. Und wenn das ein Qualitätsmerkmal ist, dann sagt das schon Einiges aus.

Ansonsten? Talk-Formate noch und nöcher, vor denen ich mich allerdings in letzter Zeit bewahrte. Und dann natürlich des TV's liebstes Ding: Wiederholungen alter Filme. Guter wie schlechter. Da wird völlig diskriminierungsfrei wiederholt, was den Senderchefs vor die Flinte kommt. Immer drauf! Und Werbung bis es nicht mehr geht! Hammer auf Kabel1: eine Wiederholung von 8 Blickwinkel (ein Film, der m.E. erst an der Stelle gut wird, an der er seinen titelgebenden Ansatz, alles aus 8 unterschiedlichen Perspektiven darzustellen, aufgibt) wird nach jeder (sic!) Werbung, also auch nach einer Ein-Spot-Unterbrechung, wieder "zurückgespult" und dem Gucker wird die letzte halbe Minute vor der Unterbrechung erneut gezeigt. Steigerung der Sende- und damit Werbezeit. Vielen Dank für dieses tolle Erlebnis!

Heute also sah ich ein weiteres Machwerk "vorindustrieller" Machart auf einem Sender, dessen Name man auch dann an einer Hand abzählen könnte, wenn einem der Daumen fehlen würde. Dass der Film aus heutiger Sicht vielfach lächerlich wirkt, kann man niemandem vorwerfen. Dann schon eher, dass er überhaupt noch gezeigt wird. Aber davon abgesehen, wurde er nicht nur von eher normalen Werbeblocks unterbrochen, die man gemeinhin so kennt, sondern von einer Werbeeinlage, die gefühlt eine halbe Stunde ging (ich habe nicht auf die Uhr geguckt, aber es war auf jeden Fall seeeeeeeeeeeeeeeeehhhhhhhhhhhhhhhr lang!) und in dem ein einzelnes Produkt wieder und wieder präsentiert wurde. Das kannte ich bisher nur von Homeshopping-Kanälen als ich auf Mitternacht... oops...

Und da der Film auch nach diesem Ereignis nicht besser wurde, was wirklich etwas heißen will, da ich damit rechnete, dass mir danach so ziemlich alles gefallen würde, sucht ich die Fernbedienung des TV-Gerätes ab und fand einen Knopf, der fortan zu meinen liebsten Knöpfen wird: den roten Ausschaltknopf.

Da der Text nun doch etwas länger geworden ist als "geplant" und ich auch nicht gerade bei dem ersten Glas Rotwein bin, weiß ich nicht mehr, was ich eigentlich aussagen wollte. Aber das ist auf jeden Fall ein gutes Stichwort: "AUS". Lasst den Fernseher häufiger mal aus und lest ein Buch!

Und ich zieh mich jetzt in meine persönliche Ausnüchterungszelle zurück. Gehabts euch wohl!

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