Donnerstag, 27. Dezember 2012

selbstversuch

es soll leute geben, die alles klein schreiben. was mag es damit auf sich haben? bringt einen das weiter? ist es ästhetisch? ich weiß es nicht. und es scheint auch nur eine möglichkeit zu geben, das herauszufinden. ich muss es selbst versuchen.

oberste voraussetzung dafür, alles klein schreiben zu können ist, dass man überhaupt etwas schreibt. und da liegt der erste hund im pfeffer begraben, oder wie das heißt. auf kommando etwas schreiben gelingt mir in der regel nicht.

wenn man nicht weiß, was man schreiben soll, dann soll man, so habe ich mal gelesen, darüber schreiben, dass man nicht weiß, was man schreiben soll. das könnte ich mal versuchen. denke aber, dass dabei nur käse raus kommt. wobei käse durchaus schmackhaft sein kann. so war ich mal in einer runde eingeladen, bei der unter anderen auch eine person war, die sich als liebhaber auch von käse heraus stellte. in allererster linie war er zwar liebhaber von sich selbst. aber da er beim käse loben die möglichkeit hatte, sich an seinem eigenen lob zu erfreuen, so lobte er denn den käse, den er mitgebracht hatte.

er lobte den ganzen abend so vor sich hin und schwärmte von diversen blauschimmelkäsen, die er hier in der stadt käuflich erwarb. natürlich nicht, ohne dabei zu erwähnen, dass ihn die verkäuferinnen fast alle kannten und sich immer wieder freuten, ihn zu sehen, da er so viel von käse, essen, der welt,.... verstand. wer schon einmal versucht hat, einen blauschimmelkäse zu loben, wird vermutlich recht schnell zu der erkenntnis gelangt sein, dass sich das deutsche idiom dafür nicht sonderlich eignet. alleine die aussprache des wendet jedes lob in ihr gegenteil.

als ausweg kann - mal wieder - das französische dienen. sprachlich, meine ich. wer von einem "bleu de ..." erzählt, hat dabei schon einen schwärmerischen blick und tonfall, so dass alles was danach kommt, zu reiner zweitrangigkeit verdammt ist. auch wenn sich da im einzelfall das eigentlich lob erst noch entfalten sollte.

so sprach also auch unser sich über die bande des käse selbst lobender auch nur französisch von seinen käsen. und so laberte er da vor sich hin und ständig viel dieses "bleu de ...".

ich muss zugeben, ich war ein wenig genervt. brauchte ein ventil. da ich weder dunlop- noch sclaverand- oder schraderventil bei mir hatte, blieb mir nur die möglichkeit  des eigenventilierens. und das tat ich. wurde ich doch an diesem abend selber zum absoluten käseliebhaber und fragte ihn ständig ob er mir noch so einen blöden geben könne. kam mir witzig vor. ihm nicht.

und die moral von der geschichte? es ist anstrengend, worte bei denen ich mir sicher bin, dass sie groß geschrieben werden, die schreiende shift-taste zu ignorieren. in zweifelsfällen bringt es jedoch eine gewisse entspannung mit sich. werde aber wohl weiter eher auch mit großbuchstaben agieren.

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