Dienstag, 27. November 2012

Authentizität

Neulich im Dönerladen spielte sich folgender Dialog ab (hier leicht gekürzt):

- Moin, einen Döner bitte.
- Einen Döner. Mit alle?
- Jupp, mit Ausnahme von Tomaten.
- Mit Scharf?
- Unbedingt.
- Zum mitnehmen?
- Nein.
- Also ohne Scharf?
- Hä? Nein, mit.
- Zum mitnehmen?
- Nein. Hier essen. Aber mit scharf.

ungläubiger Blick des Dönerfachverkäufers.

Ich glaube, die machen das absichtlich, damit sie authentischer wirken. Oder muss man sich mittlerweile zwischen mit Scharf mit nehmen und ohne Scharf ohne nehmen entscheiden?

Sonntag, 25. November 2012

Gedichte, die das auch nicht wollten

Wenn mir danach immer noch kein Platz in der Geschlossenen angeboten wird, weiß ich auch nicht...

Die Ballade vom wecken Ball

Ein Ball, ganz kugelrund und bunt,
Macht Kinder spielend leicht gesund.
Sie spielen auf, sie spielen nieder.
Durch die Hecke, durch den Flieder.
Wenn man sie nur gewähren ließe,
Dann spielten sie auf jeder Wiese.

Mir geht es nun um zwei von diesen,
Die Fußball spielten auf der Wiesen.
Sie kickten hin, sie kickten her.
Der Ball war blau und nicht sehr schwer.
Doch plötzlich dann, Oh Gott, herrje!
Da war er weg, der Ball. Ade!


Ausblick in einer Bar. Alkoholisiert

Die Lampen hängen über mir.
In mich hinein fließt dunkles Bier.
Die Kellner wuseln hin und her.
Wie ist das Leben ach! so schwer.

Die Frauen an dem Tisch zur Linken
Sind optisch schön. Jedoch sie stinken!
Wär'n sie so hässlich wie die Rechten,
Dann würd' ich wohl komplett sich ächten.

Doch tut der Anblick sehr gefallen.
Wenn auch nicht ganz, so fast bei allen.
Die Kurven dieser Frauenleiber
Die schmiegen schön sich an die Kleider.

Und die zur Rechten, schief und krumm,
Die sitzen nur verdrießlich rum.
Zur Linken jedoch, Gott sei dank!
Ruht gern das Aug'. Trotz dem Gestank.

Und die Moral von dem Gedicht:
Gestank zählt nicht. Nur das Gesicht.


Über einer Tasse. Sinnierend

Gebrühtes Schwarz ist in der Tasse,
Die mit den Fingern ich umfasse.
Die Hitze zieht mir in die Poren.
Gedanken sind komplett verloren.
So sitze ich, ganz still und stumm.
Starr' in den Kaffee. Fühl' mich dumm.

Samstag, 3. November 2012

Spazieren gegangen worden

Heute Vormittag wurde ich gegen meinen Willen in die Stadt getragen. Ehe ich's mich versah, sah ich mich Richtung Innenstadt flanieren. Nicht, dass ich mich wirklich sah. Es war streng genommen so, dass sich der Weg, der sich von mir zur Innenstadt erstreckt, dergestalt an mir vorbeischob, dass ich auf Grund vergangener Erfahrungen den Schluss zog, dass ich wohl flanierte. Soll hier aber nicht weiter ins Gewicht fallen.

Glücklicherweise hatte ich aus einer Laune heraus heute morgen eine Hose angezogen, so dass nichts zog. Weder ich die Blicke anderer Passanten auf mich noch der männliche Temperaturfühler zwischen meinen Beinen sich zusammen. Gleichwohl kam ich mir blöde vor. War doch die Pulli-Hose-Kombination nicht dazu angetan, Frauenherzen im Sturm zu erobern. Jene morgendliche Laune hatte es nämlich nicht verhindern können, dass ich mich beim Anziehen in den Kleidungsstücken vergriff. Dergestalt ungestalt kam ich mir falsch angezogen vor. Verkleidet.

Die Arbeiten an der Tübinger Straße sind überwiegend fertig. Sie ist wieder nahezu passierbar. Quasi entbaustellt. Wäre nicht gerade eine Bühne aufgebaut worden, hätte ich das vorletzte Wort im zweiten Satz dieses Absatzes ungeschrieben lassen können. Sie wurde aber aufgebaut. Gefeiert werden soll ironischerweise die Wiederpassierbarkeit der Straße.

Apropos Wiederpassierbarkeit. Während des Flanierens ist es wieder passiert. Ich bin in Buchläden gefallen. Warum? Weil ich an Buchläden gefallen finde. Flanieren an Werktagen führt nahezu immer zu einer Buchlandung. Diesmal sogar schon vor Betreten des ersten Ladens. Ein Band mit Erzählungen von Capote. Allein der Name gefällt mir. Capote. Klingt fast wie Kaputtie. Freu mich schon auf den Lesegenuss. Wann auch immer er anstehen mag, haben doch diverse zeitlich näher an Christi Geburt getätigte Buchkäufe noch etliche Seiten vor Capote gelegt.

Und bevor ich mich wieder in den Lesefluss stürze, bade ich ohnehin noch einen Moment im Schreibfluss.

Im Flanierfluss bewahrheitete sich auch wieder ein Problem, das ich mitunter habe. Schrieb ich doch dereinst, dass Notizbücher wie Regenschirme seien. Immer wenn ich eins dabei habe, bekomme ich sicher keine guten Ideen. Nun, heute hatte ich keins dabei. Und die Ideen kamen. Über die Qualität sei an der Stelle das Mäntelchen der Verschwiegenheit gebreitet. Aber Ideen! Zwischenzeitlich, wieder daheim seiend, habe ich sie auch schriftlich nieder gelegt. Einem Kranze gleich, am Grab der Erinnerungen.

Wieder daheim? Ja, dankenswerter Weise trugen mich jene, die mich vormittags gegen meinen Willen in die Stadt trugen, auch wieder zurück. Wohlbehalten in meiner Wohnung sitzend, staune ich über das Eigenleben, das meine Beine führen. Fehlt ihnen wohl die nötige Führung. Werde ich sie nächstens besser an die Hand nehmen.