Dienstag, 25. September 2012

Das Licht ist Orange


Ist schon eine Weile her (ca. 4 Jahre), dass ich den kleinen Text geschrieben habe. Was genau ich damit anfangen sollte, weiß ich nicht mehr so genau. Ist über das Stadium einer kleinen Fingerübung nicht hinaus gekommen. Naja, muss ja auch mal sein.

"Das Licht ist orange. Als würde mir die Sonne direkt auf meine geschlossenen Augen strahlen. Aber ich habe doch die Jalousie heruntergelassen. Wer hämmert gegen meinen Kopf? Hämmert es von innen? Stimmen dringen an mein Ohr, als wäre ich mit dem Kopf unter Wasser und draußen spräche jemand zu mir. Ich kann nicht verstehen, was gesprochen wird. Ist das ein Traum? Ich drehe mich ein wenig zur Seite. Das Kopfkissen fühlt sich komisch an. Wie im Wasserbett schwankt die Matratze unter mir. Die harte, kalte Matratze. Jemand stolpert über mein Bein. Nein. Jemand tritt gegen mein Bein. Ohne die Augen zu öffnen, wedele ich mit meinen Armen, wie um einen Schwarm Mücken zu verscheuchen. Die Tritte gegen mein Bein wiederholen sich. Ich versuche, mein rechtes Auge einen Spalt breit zu öffnen. Die Sonne brennt sich sofort durch meine Augen hindurch bis tief in meinen Kopf hinein. Erschrocken drücke ich das Auge wieder zu. Ganz fest. Ich hebe meinen rechten Arm schützend vor meinen Kopf und versuche erneut, das rechte Auge ein wenig zu öffnen. „Hey, was machst Du hier?“ Die Stimme dringt durch meine Ohren ein und lässt mein Gehirn erschüttern. Muss der so schreien? Unter meinem Arm hindurch kann ich feste Schuhe sehen. Das müssen die sein, die mich getreten haben. Ich spucke sie an. Es kommt aber keine Spucke sondern nur ein kurzer Luftschwall durch meine kraftlosen Lippen. Der Unterdruck, der dadurch entsteht verstärkt die pochenden Kopfschmerzen. „Dreht die Sonne weg“, flehe ich den oder die Menschen an. Ich kann immer noch nicht erkennen, wie viele da sind. Aber es scheint eine ganze Gruppe zu sein. Das Licht bewegt sich von meinem Gesicht weg. Ich lasse den Arm sinken. Durch die Luft schwirren mehrere Gestalten. Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, wie viele es sind oder wie sie aussehen. Weiße Haare kann ich erkennen. Ich schließe die Augen wieder. Gerade als ich meinen Kopf schüttel, um ein wenig mehr Klarheit hineinzubekommen, tritt mich wieder jemand von der Seite gegen den Oberschenkel. Der Schmerz in meinem Schädel ist größer. Dennoch versuche ich wieder die Augen zu öffnen. Mit zusammengekniffenen Augen konzentriere ich mich auf die Angreifer. Sieht aus, als wären es zwei. In Polizeiuniform.

„Moin Meister“, stoße ich ein wenig lallend hervor, „wass’n los?“ Kann man nicht mal in Ruhe in seinem Bett liegen und schlafen? Apropos, mein Bett. Um mich herum wirkt es nicht wie in meiner Wohnung. Die harte Matratze scheint aus Asphalt zu sein. Mit meiner Hand greife ich hinter meinen Kopf zu dem Kopfkissen. Fühlt sich komisch an. „Was kramen Sie da in dem Müllbeutel herum?“, fragt einer der beiden Gangster in Polizeiuniform. Ich antworte mit einem unbestimmten Grunzen. Wenn meine Kopfschmerzen nicht wären, würde ich jetzt flink wie ein Wiesel aufspringen und den beiden entwischen. Der Gedanke lässt die Welt um mich herum wieder schwanken. Ich kann mich gerade noch rechtzeitig zur Seite drehen, um nicht auf mich selber zu kotzen. „Oops. Sorry, Meister“, stammele ich und versuche, seinen Schuh mit meinem Ärmel zu reinigen. Jetzt greift einer von links und einer von rechts unter meine Arme und sie versuchen, mich hochzuziehen. „Hier kannst Du nicht bleiben. Wo wohnst Du denn? Und wie heißt Du eigentlich?“ – „Karl Marx“ kann ich gerade noch hervorstoßen, bevor es erneut aus mir herausbricht. Die beiden lassen mich ein Stückchen nach vorne beugen, damit ich eine gute Stellung einnehmen kann, um meine Galle hervorzustoßen. Ein widerlicher Geschmack macht sich in meinem Mund breit. Ich versuche, mir mit der Hand den Mund abzuwischen. Kann sie aber nicht bewegen, weil ich immer noch in der Umklammerung der beiden bin. „Karl Marx? Ha! Und ich bin Rosa Luxemburg. Wie heißt Du wirklich?“ – „Heinrich“, stoße ich gequält hervor „Karl Marx Straße 7“.

Als ich wieder erwache, höre ich im Hintergrund geschäftiges Treiben. Ich habe ich das Gefühl etwas weicher zu liegen. Mit einem kleineren, aber ebenfalls weichen Kopfkissen. Ich betaste mit meiner rechten Hand neben meiner Seite die Unterlage. Rauer, warmer Stoff. Wie ein echtes Spannbettuch. Fühlt sich frisch an. Ich blinzele vorsichtig mit meinem Auge. Weiß. Alles weiß. „Na, wieder wach?“, tönt von links eine Frauenstimme. Bin ich im Himmel gelandet? Nein, im Himmel gibt es keine Kopfschmerzen. Also doch die Hölle. Vielleicht eine Vorstufe zur Hölle, die in weiß gehalten ist, um die Neuankömmlinge zu verwirren. Ich drehe meinen Kopf nach links, von wo die Stimme kam. Hölle! Definitiv. Nur in der Hölle kann ich mir unförmige Frauen in Polizeikostümen vorstellen, die ein solches Gesicht mit sich herumtragen. Schnell die Augen zugekniffen. „Ah, wohl doch noch nicht ganz fit.“ Die Stimme ist gar nicht so übel. Der Gedanke an dieses Wort, bringt meinen Magen in Fahrt. Er krampft sich ein paar mal zusammen. Ich kämpfe dagegen an. Nicht schon wieder. Noch ein leichtes Aufbäumen und mein Magen gibt vorübergehend auf. „Warten Sie, ich bringe Ihnen einen Tee.“ Warten? Was sollte ich denn sonst tun? Scheine ich in dem Zustand zu sein, dass ich weglaufen könnte? Na gut, bei deren Anblick scheint sie mit allem rechnen zu müssen. Ich versuche, weiterzuschlafen."

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