Montag, 13. Februar 2012

Vom Atmen unter Wasser v. Lisa-Marie Dickreiter

Vorneweg: hier geht es um den Roman und nicht um den Film, dessen Drehbuch die gleiche Autorin zeitgleich geschrieben hat. Den Film habe ich (leider) nicht gesehen. Aber dafür das Buch gelesen.

Ein Mädchen wurde umgebracht. Nun, knappt ein Jahr später schauen wir ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrem Bruder dabei zu, wie sie damit umgehen. Der Mord wird dabei nicht sehr detailliert thematisiert, sondern stellt vielmehr den Grund für die Konstellation dar.

Im Buch geht es aus meiner Sicht im Wesentlichen darum, wie die drei mit dem Verlust der Tochter bzw. Schwester sowie mit sich selber und gegenseitig umgehen. Dass die "Strategien" unterschiedlich sind, ist nachvollziehbar. Wenn man das Buch liest, aus meiner Sicht auch nachfühlbar.

Durch die Perspektivenwechsel sehen wir mitunter die gleichen Situationen aus den unterschiedlichen Blickwinkeln, so dass sie im wortspielerischen Sinne dreidimensional daherkommen. Insbesondere können wir aber die Art, mit der die drei jeweils mit ihrem Kummer "umgehen" besser nachvollziehen.

Daneben werden auch div. Stilmittel (aus meiner Sicht insbesondere Wiederholungen und stark szenisch beschriebene Szenen (??)) gut eingesetzt, um die Stimmung zu vermitteln. Wenn gleich zu Beginn im Krankenhaus das Licht ständig an und aus geht, dann hat das zumindest auf mich schon fast etwas physisch beklemmendes. Taucht später auch nochmal auf. Aber das nur am Rande.

Diese Art zu schreiben, hat es für mich mitunter aber auch schwer gemacht, weiter zu lesen. Einfach, weil ich es so unangenehm fand. Insofern sehr gut geschrieben. Allerdings für Leute, die selber gerade bzw. in der noch frischen Vergangenheit Nahestehende verloren haben, vermutlich nicht sehr geeignet. Da es wirklich unter die Haut geht und auch kein Ratgeberbuch in irgendeiner Form ist. Trost wird nicht gespendet. Eher wird dargestellt und nach"gespielt", wie es ist bzw. sein könnte.

Dabei ist es für mich auch nachspürbar, dass die Autorin nicht in ihrem stillen Kämmerlein saß und sich überlegt hat, wie es sein könnte, sondern dass sie in die Welt gewandert ist und Leute, die Nahestehende verloren haben, interviewt hat.

Fazit: Aus meiner Sicht ein Buch, das zu lesen sich wirklich lohnt. Aber wer entspannte Unterhaltung sucht, ist falsch.

btw: auf Twitter hatten wir unter #buch140 eine kleine Diskussion dazu. Eingeflossen ist hier aber natürlich meine persönliche Meinung.

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