Sonntag, 8. Januar 2012

Spür die Angst v. Jens #Lapidus

JW: Auf dem Land aufgewachsen. Kommt mit zwei Zielen nach Stockholm: die Wahrheit über seine verschwundene Schwester Camilla herausfinden und gesellschaftlich aufsteigen. Zweiteres wiegt für ihn schwerer und führt insbesondere zu hohem Geldbedarf, den er zunächst als Schwarztaxifahrer deckt, bis ihm lukrativere Deals angeboten werden, die ihn immer weiter in die Stockholmer Unterwelt ziehen. Achja, und nebenbei studiert er eigentlich noch.

Mrado: Serbischer Einwanderer, Bodybuilder und in der "Jugo-Mafia" hierarchisch etwas weiter oben angesiedelt. Schreckt vor Gewalt nicht zurück, versucht aber gleichzeitig, für seine Tochter, mit deren Mutter er getrennt lebt, da zu sein.

Jorge: Chilenischer Einwanderer, selbst ernannter Ausbrecherkönig und genialer Kokain-Dealer. Ist aus dem Gefängnis geflohen, lebt seitdem auf der Flucht und muss insbesondere, seinen Geldbedarf decken.

Aus diesen drei Perspektiven wird das Geschehen erzählt, ergänzt um immer wieder eingefügte Gerichts- und Polizeitprotokolle. Da alle drei miteinander in Verbindung stehen, teilweise auch Verbindungen, die ihnen nicht ganz klar sind, werden, wie nicht selten, div. Ereignisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet.

Lapidus benutzt für jeden der drei Protagonisten einen eigenen Sound, der für mich plausibel klingt und jeweils weitestgehend eingehalten wird. Dass bei dem eher einfach daher plaudernden Jorge zwischendurch Formulierungen auftauchen, die ich eher bei Thomas Mann vermuten würde, führt bei mir dann eher zu einem Schmunzeln, wobei ich nicht weiß, ob ich das dem Autor oder Übersetzer zu verdanken habe.

In dem Buch werden wir durch die Stockholmer Unterwelt geführt. Dabei gibt es reichlich Lehrmaterial über den Aufbau von Dealer-Netzwerken, Geldwaschanlagen etc. An diesen Stellen tat ich mich mitunter beim Lesen auch ein bisschen schwer, da die Ausführungen für meinen Geschmack teilweise etwas zu sehr in die Länge gezogen waren. Aber wer eine Anleitung benötigt, ist hier sicherlich gut aufgehoben.

Der Plot an sich - Aufstieg JW's in der Unterwelt, Konflikte innerhalb der Jugo-Mafia sowie zunehmende Gewalt zwischen den Gangs - ist m.E. wiederum recht flott und durch den ständigen, gut nachvollziehbaren Perspektivenwechsel auch spannend geschrieben. Und in einem furiosen Finale werden dann auch die letzten  Puzzle-Teilchen auf den Tisch geworfen, so dass sich am Ende erst das gesamte Bild erschließt. Auch wer nun wirklich wie mit wem zusammen hängt.

Insgesamt aus meiner Sicht ein gutes, spannendes Buch mit der Einschränkung, dass die "Bedienungsanleitungen" teilweise etwas zu langatmig gestaltet sind.

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