Sonntag, 29. Januar 2012

Die Namenlose von Jagoda Marinic


Die Namenlose ist ein schmales Büchlein bereits aus 2007 von einer vermutlich leider zu unbekannten Autorin. Es ist ihr erster und bisher einziger Roman. Davor hat sie zwei Erzählungs-Bände veröffentlicht: „Eigentlich ein Heiratsantrag“ und „Russische Bücher“. Daneben macht sie was mit Theater (nicht so meins, daher bin ich hier vielleicht ein wenig unterbelichtet) und lebt in Heidelberg.
Bei der Namenlosen handelt es sich um eben jenes: eine nicht näher benannte Protagonistin, die zum Einen als Ich-Erzählerin auftritt und zum Anderen erzählt die Fußnote über sie. Macht insgesamt drei Erzählperspektiven. Drei? Ja, die Fußnote, das Erleben der Ich-Erzählerin und ihr Denken. Die zwei unterschiedlichen Ich-Perspektiven werden durch unterschiedliche fett-Grade der Schrift sowie die Unterschiede „Wachen“ und „Schlafen“ in den Titeln unterschieden. Und, nunja, die Fußnote spricht aus der Fußnote heraus.
Was hat mich an dem Buch fasziniert, dass ich auch nach gut 4 Jahren immer noch daran denke? Im Wesentlichen die Sprache. Es ist eine eher verträumte und poetische Sprache. Beispiel:
Das Meer ist den Flußstimmen Heimat. Bevor sie dorthin gelangt sind, fließen sie als Liebende zu ihrem Ziel. Liebende, weil Suchende, nur Suchende sind wirklich Liebende – und so sind Flüsse die letzten großen Liebenden. Nur wer seiner Sehnsucht zu folgen weiß, ist ein Liebender.“
Eine Handlung gibt es an sich schon, ist aber nicht wirklich entscheidend. Was mit Liebe ;o) Aber auch dazu ein kurzes Zitat:
Müßte nicht jedem von vornherein klar sein, daß die Lösung einer Spannung nie gleichermaßen spannend sein kann wie die Spannung selbst? Sonst hieße doch auch die Lösung einer Spannung Spannung und nicht Lösung, oder nicht?“
Und dann:
Ich plädiere für ein plotfreies Leben!“
Daneben gibt es Alltagsbeobachtungen, die mich in ihrem subtilen Humor ein wenig an Wilhelm Genazino erinnert haben. Nur gefällt es mir bei Marinic besser, weil es nicht so inflationär auftaucht wie bei Genazino. Und das auch noch eingebettet in die stille Nachdenklichkeit des sonstigen Textes.
Das Kapitel „Schlafen, vier“ beginnt übrigens mit meiner Lieblings-Erotik-Szene. Nur mal so am Rande. Und sie endet:
Ich glaube nicht, dass Kunst mir etwas Schöneres geben kann als der Zufall.“
Da muss ich ihr widersprechen. Kein Zufall konnte mich bisher so sehr berühren, wie dieses Kunstwerk. Klarer Lesebefehl!

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