Dienstag, 31. Januar 2012

Film"kritik": The Descendants


Ja, es es ist ein Film mit George Clooney. Trotzdem für meinen Geschmack ein guter.
Frau liegt im Koma und der Mann versucht, mit der Situation umzugehen. Er muss mit seinen nicht gerade einfachen Töchtern klar kommen und mit der Info, dass seine Frau ihn betrogen hat und verlassen wollte. Am Ende versöhnt er sich mit seinen Töchtern und, obwohl die Frau stirbt, scheint die Welt soweit in Ordnung zu sein und es könnte positiv weiter gehen.
Typisch Hollywood also, da (im Rahmen des Möglichen) noch ein Happy End, zwischendurch viel auf Tränendrüse (hier hätte aus meiner Sicht ein wenig weniger auch gereicht) und die Figuren entwickeln sich ganz doll von nee-wir-kommen-nicht-klar bis zu wir-haben-uns-lieb.
Dennoch finde ich den Film gut gemacht (und gespielt). Wie würde ich mit der Situation umgehen, wenn ich erfahre, dass mich meine Frau verlassen wollte, sie vor mir liegt, noch am Leben aber nicht mehr in der Lage auf mich zu reagieren, geschweige denn, mir zu antworten? Und vor allen Dingen: was würde ich mit dem Mann anstellen, mit dem sie mich betrogen hat? Die Lösung für zweiteres im Film fand ich gut. Hat mich überrascht und ein wenig ratlos zurück gelassen. Das sind Situationen, in denen ich mich frage, was im Leben eigentlich wirklich wichtig ist.
Die Emotionen kamen gut rüber. Im Kino war es überwiegend sehr still. Ausnahme insbesondere die Szenen, in denen man schluchzen sollte. Mein Vermutung: zumindest einige waren kurz vorm okularen Wasser lassen und haben es durch witzige Bemerkungen ggü. den Sitznachbarn zu kompensieren versucht (nein, ich bin kein Psychologe). Für mich ein sehr gutes Zeichen.
Insgesamt also aus meiner Sicht ein sehenswerter Film für alle, die nicht in letzter Zeit Nahestehende verloren haben (oder kurz davor sind, dies zu tun) und sich für die Frage, was im Leben wichtig ist, interessieren.

Sonntag, 29. Januar 2012

Die Namenlose von Jagoda Marinic


Die Namenlose ist ein schmales Büchlein bereits aus 2007 von einer vermutlich leider zu unbekannten Autorin. Es ist ihr erster und bisher einziger Roman. Davor hat sie zwei Erzählungs-Bände veröffentlicht: „Eigentlich ein Heiratsantrag“ und „Russische Bücher“. Daneben macht sie was mit Theater (nicht so meins, daher bin ich hier vielleicht ein wenig unterbelichtet) und lebt in Heidelberg.
Bei der Namenlosen handelt es sich um eben jenes: eine nicht näher benannte Protagonistin, die zum Einen als Ich-Erzählerin auftritt und zum Anderen erzählt die Fußnote über sie. Macht insgesamt drei Erzählperspektiven. Drei? Ja, die Fußnote, das Erleben der Ich-Erzählerin und ihr Denken. Die zwei unterschiedlichen Ich-Perspektiven werden durch unterschiedliche fett-Grade der Schrift sowie die Unterschiede „Wachen“ und „Schlafen“ in den Titeln unterschieden. Und, nunja, die Fußnote spricht aus der Fußnote heraus.
Was hat mich an dem Buch fasziniert, dass ich auch nach gut 4 Jahren immer noch daran denke? Im Wesentlichen die Sprache. Es ist eine eher verträumte und poetische Sprache. Beispiel:
Das Meer ist den Flußstimmen Heimat. Bevor sie dorthin gelangt sind, fließen sie als Liebende zu ihrem Ziel. Liebende, weil Suchende, nur Suchende sind wirklich Liebende – und so sind Flüsse die letzten großen Liebenden. Nur wer seiner Sehnsucht zu folgen weiß, ist ein Liebender.“
Eine Handlung gibt es an sich schon, ist aber nicht wirklich entscheidend. Was mit Liebe ;o) Aber auch dazu ein kurzes Zitat:
Müßte nicht jedem von vornherein klar sein, daß die Lösung einer Spannung nie gleichermaßen spannend sein kann wie die Spannung selbst? Sonst hieße doch auch die Lösung einer Spannung Spannung und nicht Lösung, oder nicht?“
Und dann:
Ich plädiere für ein plotfreies Leben!“
Daneben gibt es Alltagsbeobachtungen, die mich in ihrem subtilen Humor ein wenig an Wilhelm Genazino erinnert haben. Nur gefällt es mir bei Marinic besser, weil es nicht so inflationär auftaucht wie bei Genazino. Und das auch noch eingebettet in die stille Nachdenklichkeit des sonstigen Textes.
Das Kapitel „Schlafen, vier“ beginnt übrigens mit meiner Lieblings-Erotik-Szene. Nur mal so am Rande. Und sie endet:
Ich glaube nicht, dass Kunst mir etwas Schöneres geben kann als der Zufall.“
Da muss ich ihr widersprechen. Kein Zufall konnte mich bisher so sehr berühren, wie dieses Kunstwerk. Klarer Lesebefehl!

Montag, 23. Januar 2012

Mission Impossible 4: Das Phantom Protokoll

Hammer Film! Aus meiner Sicht eine sehr gute Mischung zwischen Action und Humor.

Natürlich ist nicht alles realistisch, was dargestellt wird. Aber das wäre ja auch langweilig, oder? Aber es ist einfach gut gemacht. Und, obwohl natürlich am Ende alles gut geht, klappt nicht alles so perfekt, wie es hätte klappen können. Das wiederum trägt natürlich auch zu den humoristischen Aspekten bei.

Auch,wenn sich das Haupt-Team einigt, nur das Nötigste mitzunehmen und nachher fast ein komplettes Einsatzlabor (oder wie auch immer man das bezeichnen möchte) dabei hat - inklusive eines heiß ersehnten 2D-Masken-Plotters, hat das nichts mit Realität, dafür aber viel mit gut gemachtem Humor zu tun.

...ebenso ein schönes altes Telefon in Russland mit einer Nachricht, die sich nahezu selbstständig nach 5 Sek löscht....

Mit anderen Worten: nicht lange rummachen, reingehen, solange er noch läuft! Die große Leinwand lässt ihn einfach ... nunja... größer erscheinen!

Thea Dorn im Literaturhaus in Stuttgart

Ja, ich finde diese Frau klasse! Würde aber (wahrscheinlich) trotzdem auch kund tun, wenn mir was von ihr nicht gefallen würde. Aber der Abend hat für mich definitiv Lust auf mehr gemacht. Und zwar mehr von dem besprochenen Buch!

Kurz vorweg: sie hat mit Richard Wagner (dem lebenden Schriftsteller, nicht dem toten Komponisten) zusammen ein Buch (fast könnte man sagen "Totschläger") geschrieben, der da "Die Deutsche Seele" benamst ist. Und genau darum geht es auch. In alphabetischer Reihenfolge sind "typisch deutsche Begriffe" aufgeführt und essayistisch erklärt, beschrieben, besprochen, be....

Im Literaturhaus in Stuttgart stand Thea Dorn heute alleine Rede und Antwort. Das Ergebnis wird, wenn ich es jetzt richtig im Kopf habe, am 20.03.2012 im SWR2-Hörfunk ausgestrahlt. Und es lohnt sich.

Gelesen habe ich das Buch noch (!) nicht, weshalb ich mich an der Stelle noch nicht dazu äußern kann. Aber die Ausführungen von Dorn sowie die vorgelesenen Stellen machen, wie bereits geschrieben, Lust auf mehr. Ausgehend von der Feststellung, die sinngemäß lautete, dass wir Deutschen nunmal existierten und uns von daher irgendwie dazu verhalten müssten, haben sich die beiden durch die geistesgeschichtlichen Epochen gearbeitet, wobei sie sich nicht auf intellektuelle Kreise beschränkt haben, sondern insbesondere auch auf das "einfache Volk" geschaut haben - die deutsche Seele, eben.

Einen Teil der Dicke machen angabegemäß auch die Bilder aus, die enthalten sind (wären sie dies nicht, würden sie auch nicht zur Dicke beitragen, das gebe ich zu). Z.B. der Vergleich zwischen einem Bild der Romantik (?) gegenübergestellt einer Stickerei auf einem Kopfkissen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, das iphigenienhaft das erstere aufnahm.

Viel Spaß beim Schmökern in dem Buch! Denn genau das wird es sein. Ein Schmökern und kein Einfachmaldahinlesen

Sonntag, 22. Januar 2012

Kneipenbesuch


Er saß mir gegenüber in einer dunklen, leicht stickigen Eckkneipe. Das Einzige, was ihn aufzuheitern in der Lage war, war das kurz zuvor abgeschaffte Rauchverbot in Einraumkneipen. Einraumkneipen. Ein Wort, das bis kurz zuvor niemand kannte. Dann kam das Rauchverbot und plötzlich waren die Einraumkneipen in aller Munde. Einraumkneipen, so haben wir gelernt, sind Kneipen, die, wie der Name bereits suggeriert, aus einem Raum bestehen und die insbesondere, man möchte fast annehmen, ausschließlich von Rauchern oder deren Sympathisanten oder Mitgefangenen aufgesucht zu werden scheinen. Da das Rauchen in jeder Lokalität, in der Speisen gereicht werden, nur noch in Nebenräumen erlaubt und dementsprechend im Hauptraum verboten wurde, waren die Einraumkneipenbesitzer und noch mehr natürlich die Einraumkneipenbesucher ein wenig in den Hintern gekniffen. Dass, wenn nur ein Raum vorhanden war, es sich bei diesem um den Nebenraum handeln sollte, war gerichtlich nicht durchsetzbar. Ähnlich funktioniert das auch mit Frauen. Auch hier kann man sich nur eine Nebenfrau anschaffen, wenn man bereits im Besitz (oder Eigentum?) einer Hauptfrau ist. Nur Nebenfrau geht nicht. Genauso ist auch das ausschließliche Vorhandensein eines Nebenraumes ohne den dazugehörigen Hauptraum rechtlich nicht möglich.
Der nächstliegende Versuch, die Argumentation, dass die aus der Küche gereichten, in ihrer Konsistenz sich von den Getränken unterscheidenden, nämlich festeren, Objekte nur schwerlich als Speise im engeren Sinne bezeichnet werden könnten, wurde von den Einraumkneipenbetreibern gleich wieder verworfen. Lieber pleite gehen, als die eigene Küche angemessen zu bewerten.
Es begab sich jedoch, dass in einer kleinen badischen Stadt, die berühmt war für ihre Gerichtsbarkeit, findige Richter sich im Sinne der Einraumkneipenbetreiber äußerten und dem Gesetzgeber auferlegten, er möge sein Gesetz zum Verbot von nikotinhaltigen Räucherstäbchen und artverwandter Luftbesudeler entweder ganz machen oder gar nicht. Ganz bedeutete in diesem Fall, ein komplettes Rauchverbot in sowohl dem Haupt- als auch dem oder den Nebenräumen. Was gar nicht bedeutete, war nicht ganz klar und von daher auch als Übergangslösung bis zur Entscheidung des Gesetzgebers die bevorzugte Variante. Und so wurde überwiegend stillschweigend, in manchen Örtlichkeiten, wie man sich denken kann, überwiegend in den wieder von der frischen Luft befreiten Einraumkneipen, fröhlich besingend das Rauchen im Haupt- und einzigen Raum von Einraumkneipen vorläufig wieder als erlaubt angesehen.
Daher war die Kneipe, in der wir uns gegenüber saßen, nicht nur stickig, sondern auch verraucht, was nicht zuletzt durch mein Gegenüber ausgiebig befördert wurde. Er saß mir also gegenüber und erzählte eine an sich nicht weiter interessante Geschichte über eine Begebenheit, die ihn, als sie sich einstmals zugetragen und so auch jetzt wieder emotional mitzunehmen in der Lage war und das nicht in Richtung Euphorie sondern eher Cholerie. Und um das noch ein wenig zu unterstreichen, versuchte er synchron mit der Aussage, dass er von dieser Begebenheit „einen solchen Hals gekriegt“ hätte, mit der rechten Hand, in der er gleichzeitig die halb zu Ende gerauchte Zigarette hielt, einen Würgegriff bei sich selbst anzudeuten, der in der Endposition die Dicke seines Halses, nach dem er „einen solchen Hals gekriegt“ hätte, andeuten sollte. Da bereits nicht mehr bei dem ersten Bier und ohnehin nicht mit dem allerbesten Gedächtnis ausgestattet seiend, hatte er im Zuge seiner Rage zu erinnern vergessen, dass er am Vortage bei einem Spaziergang mit seiner hoch verehrten Lebensabschnittsgefährtin, von eben jener dabei erwischt wurde, wie er einer jungen und seinen Schilderungen nach, nicht ganz unattraktiven Dame, dreist und mit wohl leicht gierigen Augen nachgeschaut hatte und dabei von seiner Lebensabschnittsgefährtin etwas unsanft den Kopf wieder nach vorne gedreht bekommen hatte, was dazu führte, dass seine Halswirbelsäule mit einem für ihn deutlich vernehmbaren Knirschen verrenkt wurde. Auf Grund dieser eher ungeschickten Episode bekam er von seinem Hausarzt eine Halskrause verschrieben, die er nicht nur postwendend bei der Apotheke seines Vertrauens gegen Vorlage eines Rezeptes und einiger weiterer Scheine erworben hatte, sondern sie auch an jenem bereits angerissenen Abend zu tragen sich bemüßigt fühlte. Diese Halskrause wiederum überstieg vom Umfang her anscheinend selbst den „solchen Hals, den er gekriegt hatte“, so dass seine zum Würgen bereite Hand nicht weit genug geöffnet war und die Fingerkuppen daher unsanft gegen die Halskrause schlugen, was mein Gegenüber verdutzte und ihn zusammenzucken ließ, wodurch wiederum die recht weit vorstehende, abgerauchte Asche seiner Zigarette abgestoßen wurde und im Schoße seiner neuen, weißen Sommerhose landete.
Auch dieses Vorkommnis führte wieder dazu, dass er „einen solchen Hals kriegte“, was nun aber durch das Vorhandensein der Halskrause offensichtlich verhindert werden konnte, seine Laune jedoch auch nicht mehr verbesserte, sondern zu weiteren Fluchattacken führte und mich dazu veranlasste, den Kellner um die Rechnung anzuflehen, damit ich diesen Ort möglichst bald verlassen könne.

Offroad

Mein Kurz-Fazit: schade. Hatte mir mehr erwartet.

Story ist vermutlich schon allseits bekannt. Biederes Mädel vom Land kommt unverhofft an 50 Kilo Kokain und ändert "ein wenig" ihr Leben.

Vorab: Nora Tschirner und Elyas M'Barek spielen aus meiner Sicht eigentlich ganz gut.

Es ist die Aufmachung des Films, die mich ein wenig angeödet hat. Überraschende Wendungen gab es nicht. Es war alles viel zu vorhersehbar und stereotyp. Über die Leinwand liefen Schablonen und keine echten Menschen.

Insgesamt machte der Film auf mich den Eindruck, dass mit einem Minimum an zeitlichem (sowohl was die Dreharbeiten als auch das Drehbuchschreiben angeht) und finanziellem Aufwand ein Filmchen zusammen geschustert wurde, dass von einer ganz netten (wenn auch alles andere als neuen) Idee ausgeht und dann versucht, durch das Zusammenpappen von Klischees und zwei sympathischen Hauptdarstellern über die Zeit zu kommen. Mehr aber auch leider nicht.

Vielleicht gehöre ich wirklich nicht zu der Zielgruppe. Dann wäre der Film zumindest in der Hinsicht erfolgreich ;o)

Samstag, 21. Januar 2012

Bürgerbüro

Ist schon ein Weile her, da musste ich ins Bürgerbüro der kleinen Gemeinde, in der ich damals noch das zweifelhafte Glück hatte zu leben, um einen neuen Ausweis zu beantragen. Vor mir nur eine Person, so dass ich hoffte, nicht allzu lange warten zu müssen.

Der Mann vor mir braucht wohl auch einen neuen Pass, was die Beamtin (wenn es denn eine war...) zu ein paar routinierten Eingaben im Computer veranlasste. Dann hielt sie auf einmal inne und schaute den Mann irritiert an. Kurzer Blick wieder auf den Bildschirm, dann wieder zu ihm. Nachfrage, ob sie den Namen richtig verstanden hätte. Überprüfte die Eingabe, schaute ihn wieder an. Noch ein paar mal zwischen Bildschirm und ihm hin und her. Dann ein kurzes "Moment, bitte" und sie verschwand im Nebenraum.

Zurück kam sie mit einer Kollegin, zeigte auf den Bildschirm. Die Kollegin blickte auf den Bildschirm und dann zu dem Mann. Auch sie ein wenig bis sehr irritiert. Blicke der beiden Damen immer wieder zwischen Bildschirm und Mann hin und her.

Dann fasst sich die eine der beiden ein Herz und erklärt dem Mann kurz, "da steht, dass Sie tot sind."

Im folgenden Dialog hat sich dann herausgestellt, dass nicht er tot sei - ok, soweit war das recht offensichtlich - sondern, dass seine Frau wenige Monate vorher gestorben war und auf dem Amt versehentlich er als der Gestorbene vermerkt wurde und seine Frau amtlich am Leben gelassen wurde.

Frage: wie kann man in einer solchen Situation beweisen, dass man noch lebt? Da bringt ja nicht mal mehr die Geburtsurkunde etwas, da ja nicht bezweifelt wird, dass man geboren ist. Leider weiß ich auch nicht, wie es ausgegangen ist, weil meine Ausweisbestellaufnahme vorgezogen wurde, da ich als sowohl real-life als auch amtlich noch am Leben war.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Des Dichters Wahnsinn

Da ich als Kind einem Schiff nicht unähnlich und doch ganz anders ausgelaufen bin, meinte meine Mutter, ich müsse dichter werden. Ok, das habt ihr nun davon

1.:

Haltestelle
Auf der Bank ein Wesen
Weiblich
Braune Haare
Straßenköter
Die Augen
Hinter den Haaren
Die Phantasie
Färbt sie blau
Ein Blick
Wie durch Schleier
Im Vorbeigehen
Ich gehe vorbei
Es geht vorbei

2.:

Der Fernsehturm steht stramm in die Höhe.
Die Spitze leuchtet.
Rot.
Unter der Spitze eine leuchtende Kugel.
Weiß.
Links erhebt sich der Mond.
Voll.

3.:

Sonntagmorgen.
Die Kirchglocke ruft nach den Gläubigen.
Ich liege im Bett und gehör zu den Säumigen.
Wer die Sünden säumt, braucht keine Heiligen.
Ich säume den Heiligen den Weg in den Himmel.
Und säume danach den Weg in die Hölle
Nicht.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Band2 rockt Weißenhof

Band2 reimt sich auf Kant, nicht auf gähnt. Ist damit eine Schreib- und keine Musikgruppe.

Wer sind wir? Band2 ist eine Gruppe grundlos unbekannter Autoren aus Stuttgart und Umgebung. Was wir schreiben fällt meist unter das Genre Kurzgeschichte. Wenn nicht in Gänze, dann wenigstens unter das Wortteil "kurz". Die Stile sind so unterschiedlich wie unsere Charaktere. Lachen ist meist inklusive, überwiegend sogar gewollt.

Bereits im Herbst letzten Jahres hatten wir eine Lesung im Vereinsheim des TC Weißenhof in Stuttgart. Nachdem sie von drei Seiten (Zuschauer/-hörer, Veranstalter und Band2) als Erfolg verbucht wurde, wird es am 09.03.2012 eine weitere Lesung dort geben. Das "Motto" steht noch nicht sicher fest, wird aber vermutlich - nach "Dafür bin ich nicht zuständig" - nun "Jeder Satz zählt" sein. Wer damit nichts anfangen kann, sollte vorbei schauen und sich in den Bann der Geschichten ziehen lassen. Und wer damit was anfangen kann, ok, hey, wir verstehen uns schon, oder?

Bis 09. März beim TC Weißenhof!

P.S.: Terminkalender auf deren hp ist leider noch nicht aktualisiert. Aber wenn, dann lohnt auch ein Blick hierauf ;o) http://www.tennis-weissenhof.de/index.php?id=5

Sonntag, 8. Januar 2012

Spür die Angst v. Jens #Lapidus

JW: Auf dem Land aufgewachsen. Kommt mit zwei Zielen nach Stockholm: die Wahrheit über seine verschwundene Schwester Camilla herausfinden und gesellschaftlich aufsteigen. Zweiteres wiegt für ihn schwerer und führt insbesondere zu hohem Geldbedarf, den er zunächst als Schwarztaxifahrer deckt, bis ihm lukrativere Deals angeboten werden, die ihn immer weiter in die Stockholmer Unterwelt ziehen. Achja, und nebenbei studiert er eigentlich noch.

Mrado: Serbischer Einwanderer, Bodybuilder und in der "Jugo-Mafia" hierarchisch etwas weiter oben angesiedelt. Schreckt vor Gewalt nicht zurück, versucht aber gleichzeitig, für seine Tochter, mit deren Mutter er getrennt lebt, da zu sein.

Jorge: Chilenischer Einwanderer, selbst ernannter Ausbrecherkönig und genialer Kokain-Dealer. Ist aus dem Gefängnis geflohen, lebt seitdem auf der Flucht und muss insbesondere, seinen Geldbedarf decken.

Aus diesen drei Perspektiven wird das Geschehen erzählt, ergänzt um immer wieder eingefügte Gerichts- und Polizeitprotokolle. Da alle drei miteinander in Verbindung stehen, teilweise auch Verbindungen, die ihnen nicht ganz klar sind, werden, wie nicht selten, div. Ereignisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet.

Lapidus benutzt für jeden der drei Protagonisten einen eigenen Sound, der für mich plausibel klingt und jeweils weitestgehend eingehalten wird. Dass bei dem eher einfach daher plaudernden Jorge zwischendurch Formulierungen auftauchen, die ich eher bei Thomas Mann vermuten würde, führt bei mir dann eher zu einem Schmunzeln, wobei ich nicht weiß, ob ich das dem Autor oder Übersetzer zu verdanken habe.

In dem Buch werden wir durch die Stockholmer Unterwelt geführt. Dabei gibt es reichlich Lehrmaterial über den Aufbau von Dealer-Netzwerken, Geldwaschanlagen etc. An diesen Stellen tat ich mich mitunter beim Lesen auch ein bisschen schwer, da die Ausführungen für meinen Geschmack teilweise etwas zu sehr in die Länge gezogen waren. Aber wer eine Anleitung benötigt, ist hier sicherlich gut aufgehoben.

Der Plot an sich - Aufstieg JW's in der Unterwelt, Konflikte innerhalb der Jugo-Mafia sowie zunehmende Gewalt zwischen den Gangs - ist m.E. wiederum recht flott und durch den ständigen, gut nachvollziehbaren Perspektivenwechsel auch spannend geschrieben. Und in einem furiosen Finale werden dann auch die letzten  Puzzle-Teilchen auf den Tisch geworfen, so dass sich am Ende erst das gesamte Bild erschließt. Auch wer nun wirklich wie mit wem zusammen hängt.

Insgesamt aus meiner Sicht ein gutes, spannendes Buch mit der Einschränkung, dass die "Bedienungsanleitungen" teilweise etwas zu langatmig gestaltet sind.