Mittwoch, 21. Mai 2014

Umzug

Von Zeit zu Zeit muss man sich etwas neues einfallen lassen. Das habe ich auch getan und bin voller Kreativität auf die Idee gekommen, dass ich doch einfach mal umziehen könnte.

Da mir der Ort, an dem ich wohne, ganz gut gefällt, blieb mir nur ein virtueller Umzug. Den habe ich dann gleich noch dazu genutzt, ein wenig aufzuräumen.

Herausgekommen ist, dass dieser Blog hier nicht weiter existieren wird. Er hat auch nicht einfach in seiner bestehenden Form einen neuen Platz gefunden, sondern wurde aufgeteilt.

Der eine Teil ist hierhin gezogen und der andere hierhin.

Samstag, 12. April 2014

Multidimensionale Demo in Stuttgart

Heute, 12.4.2013 findet in Stuttgart eine Multidimensionale Demo statt. Demonstriert wird für Frieden und direkte Demokratie sowie gegen TTIP.

Auch wenn alle drei Themen aus meiner Sicht unterstützenswert sind und auch dem Programm der Piratenpartei entsprechen, ist es aus meiner Sicht fragwürdig, sie derart zu kombinieren. Die Folge könnte sein, dass Leute, die sich stärker für das eine oder das  andere Thema interessieren, abgeschreckt fühlen. Vielleicht wird es dadurch kompensiert, dass man eine breitere Schicht anspricht. Ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß ist, dass die Demo definitiv aufgewertet werden wird. Der Vorsitzende unseres Kreisverbandes wird nämlich eine Rede halten!

Schon alleine deshalb lohnt es sich, sich aufzuraffen und den Tag im Freien zu genießen. Und die Themen sind ja auch nicht von schlechten Eltern.

Also, ran an die Buletten und ab ins Freie!

Beginn ist um 13 Uhr auf dem Schlossplatz in Stuttgart

Weitere Infos: http://iPir.at/12q07

Facebook-Event, sofern relevant:

https://www.facebook.com/events/731733606859425%EF%BB%BF

Sonntag, 26. Januar 2014

Würdest Du?

Würdest Du, wenn Du auf einem Schiff entspannt über die Weltmeere schippertest und einen um Hilfe rufenden, in den Fluten verzweifelt strampelnden Menschen entdecktest, ihm das Ertrinken verbieten und Dich zufrieden von ihm abwenden, statt ihm zu helfen?

Nein?

Warum möchtest Du dann Alkohol auf öffentlichen Plätzen verbieten?

Sonntag, 3. November 2013

RLF - Das richtige Leben im falschen (Buch)

Sehr gutes und empfehlenswertes Buch aus meiner Sicht. Der nach meiner Zählweise zweit Mikael Mikael Roman von Friedrich von Borries, einem Architekten und Professor für Designtheorie und kuratorische Praxis an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.

Der Aufbau ist ähnlich wie 1WTC, das ebenfalls auf den "Erlebnissen" von Mikael Mikael basiert. Aufbau heißt in dem Fall, dass es einen Handlungsstrang gibt, der immer wieder durch kurze Filmsequenzen und lexikonartige Erklärungseinschübe unterbrochen wird. Das soll der Geschichte vermutlich einen stärkeren dokumentarischen Charakter geben, was m.E. auch gelingt.

Um was geht es? Um RLF - das richtige Leben im falschen. Ja, klar, das alte Adorno-Zitat. Hier aber als Geschichte verpackt, die wahrscheinlich so ziemlich alles kritisiert. Sowohl Kapitalismus als auch Antikapitalismus. Ganz sicher bin ich mir aber nicht, weil das Buch zum Schluss nochmal eine gute und für mich überraschende Wende nimmt. Aufmerksamere Leser erkennen es vielleicht schon früher, aber ich war überrascht und wurde dann ein wenig ratlos.

Protagonist ist ein Werbemensch, der versucht, seinem Leben einen neuen Sinn zu geben und da er sich stark über seine Arbeit definiert, auch seiner Arbeit. Über die Erkenntnis, dass Revolution gegen den Kapitalismus heute nicht mehr möglich ist, da der Kapitalismus alles - also auch seine Feinde - integriert und zu Produkten verarbeitet und so kommerzialisiert. Also sieht der Protagonist die Lösung darin, den Kapitalismus mit seinen eigenen Methoden zu schlagen. Ihn also so weit zu überdehnen, bis er ex- oder implodiert. Als Mittel dient ihm dabei die Kreuzung aus Markt und Kunst.

Der Weg ist sehr interessant und öffnet einem die Augen dafür, was in der heutigen (Wirtschafts-)Welt so vor sicht geht und bietet ein paar neue Interpretationsmöglichkeiten an.

In den Filmsequenzen werden jeweils bekannte Persönlichkeiten von einer nicht bekannten Person zum Thema richtigem Leben im falschen interviewt. Da jede Person hier mit ihrer eigenen Stimme spricht, kommen die Interviews für mich wie real daher. Sind also gut gemacht.

Wer sich also mit der Frage beschäftigen möchte, ob es ein richtiges Leben gibt und wie es definiert wird, nebenbei einen guten und rasanten Plot schätzt und sich intensiver mit Werbung und Kunst auseinander setzen möchte, der hat hier genau das richtige Werk an der Hand.

Freitag, 4. Oktober 2013

Restaurant Dalmatia (Buch)

Identität und Heimat. Darum geht es laut Umschlagstext. Ich würde sagen, es geht um Identität und Sprache.

Heimat ist ein Teil der Identität und damit aus meiner Sicht nicht separat aufzuführen. Und um Sprache geht es für mich, weil ich in Marinics Sprache baden könnte.

Der Roman spielt zwischen Kanada, Berlin und Dalmatien. Die Protagonistin, Mi(j)a ist in Berlin aufgewachsen, ihre Eltern kommen aus Dalmatien und in Kanada wurde sie erfolgreich als Fotografin.

Kanada dient dem Buch als Ausgangspunkt und Kontrast zu Europa. Auf der einen Seite das unhistorische und in die Zukunft gewandte Kanada vs. einem stark in der Geschichte verwurzelten und ewig zurück blickenden Europa. Und innerhalb Europas dann auch noch die Aufteilung zwischen Berlin und Dalmatien.

Zu Beginn daher auch der schöne Satz, der den Ausgangskonflikt zwischen Mia und Rafael, ihrem kanadischen Freund, beschreibt:

Seither ein Beil aus Gestern zwischen den beiden.

Identitätskonflikt. Sinnkrise. Das ist es, was Mia nach Berlin zurück bringt, wo sie ihre eigene und damit auch die Geschichte ihrer Familie und Freunde aufarbeitet. Es zumindest versucht. Anlaufpunkt für sie ist das Titel gebende Restaurant Dalmatia ihrer Tante Zora. Meine Lieblingsfigur in dieser Geschichte. Eine auf ihre Art liebende, vom Leben gehärtete Frau. Wie sie über ihre Dialoge zum Leben erweckt wird, ist für mich einfach grandios!

Grandios ist natürlich, ich erwähnte es bereits, die Sprache insgesamt. Am liebsten würde ich einfach nur Zitat an Zitat hier reihen, um zum Einen zu zeigen, was ich meine und zum Anderen sie gleich wieder genießen zu können.

Ein kurzer Abschnitt, um zu zeigen, mit welch "einfachen" Mitteln Marinic eine lebendige Stimmung aufbauen und gleichzeitig einiges über die beiden Charaktere ausdrücken kann:

Mijas Mutter verpasste ihr eine Ohrfreige. Zwei.
"Dass du es nicht mehr wagst, mich so anzuschreien. Ist das klar? Ist das klar? Du wagst es so zu brüllen, und in der Schule? Da kriegst du den Mund nicht auf! Dauernd höre ich, du redest nicht. Die sagen, deine schlechten Noten kommen davon, dass du nicht redest! Wieso merk ich denn nichts davon, dass du nicht redest? Kostet es denn was, in der Schule zu reden? Uns kostet es, dass du nichts redest, weil wir dir diese ganzen Lehrer ins Haus  holen müssen, damit du..."
"Ach, was weißt du denn schon. Du gehst ja nie hin! Sprichst nicht mit den Lehrern. Und wenn, würden die dich eh nicht verstehen! Gar nichts weißt du, von nichts weißt du was! Nur, was alles kostet weißt du!"
Noch eine. Und noch eine.

Neben der familieninternen Erinnerung ist die Handlung in die tatsächliche deutsche resp. jugoslawische (kroatische) Geschichte eingebettet. Wobei diese Einbettung angenehm dezent erfolgt. Zum Beispiel - vielen Dank hierfür! - schaut Zora nachts, wenn sie nicht schlafen kann, NBA. Das war die Zeit, als Drazen Petrovic (viel zu früh bei einem Autounfall ums Leben gekommen) und Toni Kukoc dort ihre großen Tage hatten. Beide aus Kroatien kommend.

Der Krieg auf dem Balkan kann natürlich nicht fehlen. Wobei er nahezu ausschließlich aus der Sicht der kleinen Mija erzählt wird. Damit ist er anwesend, wird aber noch unverständlicher. Gerade auch deshalb, weil sie mit ihrem Vater darüber nicht reden kann, bzw. er mit ihr nicht darüber reden möchte. Wie sehr er darunter leidet, ist schon allein durch einen kleinen Absatz zu erkennen:

Dagmar Berghoff las Abend für Abend in aller Ruhe ab, was sich in dieser Stadt ereignete. Tag um Tag Telefonate. Seine Brüder, seine Schwager, sonstige Verwandte. Selten Freunde, die hatten eigene Verwandte. Gegen diese Anrufe waren Dagmar Berghoffs Nachrichten die reinste Erholung. Sie sagte nur, was war, sie las nicht gleichzeitig vor, wie es ihr dabei ging.

Alles in allem ein Buch, das ich (wer hätte das gedacht?) nur jedem empfehlen kann, der ein wenig Sinn für Sprache hat und der bereit ist, auch ein wenig über Identität und Heimat (ja ja, sie darf ruhig doch auch separat erwähnt werden) nachzudenken. Denn nachdenklich ist es in jedem Fall! Nur, das hier noch mit aufzuführen, wäre 1. zu viel und 2. sollen ja alle das Buch lesen und selber denken und die liebevoll gezeichneten Figuren entdecken!

Wo genau der Unterschied zwischen Kanada und Europa ist? Zora:

Ja, und während ihr glücklich sein wollt, vergehen Jahre, in denen ihr haltlos unglücklich sein könntet ... mutig ... verloren ... irgendwas. Stattdessen stolpert ihr wie Zweijährige durch die Welt, aus Angst, auch nur einen Schritt falsch zu setzen. Wir hatten Scheißleben als Leben. Voller Stolz standen wir da und wußten: Diese Scheiße gehört mir!

Montag, 15. Juli 2013

Lesung in Stuttgart am 19.07.2013

Ja, auch dieses Jahr veranstaltet die Autorengruppe Band2 wieder eine Lesung. Sie findet statt

am 19.07.2013
im Schriftstellerhaus in der Kanalstr. 4 in Stuttgart (beim Charlottenplatz)
Einlass beginnt um 19 Uhr, die Lesung um 19.30 Uhr

Band2 ist eine Gruppe von Freizeitautoren, die gemeinsam in einen Kerker an unbekanntem Ort in Stuttgart gesperrt wurden, auf dass sie dort im Fackelschein an ihren Texten feilen und sich gegenseitig durch mehr oder weniger sachliche Kritik in neue literarische Höhen treiben. Einmal im Jahr wird diese Gruppe aus dem Kerker heraus in das Schriftstellerhaus geführt, um dort vor kritischem Publikum ihre Werke zu präsentieren. Aus Sicherheitsgründen finden Hin- und Rückführung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, wohingegen die Lesung für die Öffentlichkeit frei gegeben ist.

Wer sich diesen Kunstgenuss nicht entgehen lassen möchte, der kommt einfach vorbei. Da ich auch mitlese, ist der Eintritt kostenlos. Getränke und Knabberzeug werden ebenfalls ausgelegt und können abgeholt und verzehrt werden. Gegen das schlechte Gewissen wird vermutlich auch wieder die Möglichkeit bestehen, einen Teil der uns entstandenen Kosten zu tragen.

Darüber hinaus sind natürlich auch Neuzugänge bei uns immer gerne gesehen. Bei Interesse bitte einfach einen von uns bei der Lesung darauf ansprechen.

Dienstag, 2. Juli 2013

Snowden. Asyl. Nö.

Deutschland hat sich, wenn ich der "Presse" glauben darf, dafür entschieden, Edward Snowden kein Asyl zu gewähren. Eine rechtliche Beurteilung steht mir als Nichtjurist (vulgo Mensch) nicht zu. Aber ich habe (oder nehme mir) das Recht, diese spontan anmutende Entscheidung zu bedauern und zu kommentieren.

Warum?

Nun, mich hätte eine vertiefte Diskussion interessiert. Soweit ich weiß, gibt es ein Auslieferungsabkommen mit den USA. Will heißen, dass eine in den USA gesuchte Person ausgeliefert werden muss, wenn sie sich in unseren Landen aufhält. Dies ist aber nicht der Fall, wenn der betreffenden Person in dem Land, an das ausgeliefert werden soll, kein rechtsstaatliches Verfahren garantiert werden kann.

Bereits im Zusammenhang mit z.B. Manning wurde zumindest in der Presse darüber spekuliert, ob ein - nach unseren Maßstäben - rechtsstaatliches Verfahren gewährleistet werden kann. Im Falle Snowdens wäre diese Frage sicherlich ebenfalls interessant.

Soweit ich das verfolgt habe, wurde bereits aus den USA geäußert, dass Snowden nicht "nur" Geheimnisverrat begangen habe, sondern auch Informationen an "den Feind" weiter geleitet habe. Stimmt es, dass in diesem Fall als Maximalstrafe die Todesstrafe zur Anwendung kommen kann?

Wenn dem so wäre, dann hätte Deutschland eine interessante Entscheidung zu treffen gehabt: "Liefere ich jemanden an ein Land aus, in dem ihm die (in Deutschland glücklicherweise abgeschaffte) Todesstrafe droht? Und das auch noch, weil er aufgedeckt hat, dass dieses Land u.a. Deutschland ausspioniert?"

Diese Frage hätte ich gerne in einer größeren Debatte erlebt, die leider ein wenig abgewürgt wurde, da "Deutschland" von vornherein entschieden haben soll, den Asylantrag abzulehnen.

Schade!